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22.02.2009
Hohe Freiheitsstrafe wegen erneuten Plans zur Tötung der Ehefrau
Das Landgericht Berlin hat den 58 Jahre alten Gerd W. wegen der „Annahme des Erbietens zur Begehung des Mordes“ an seiner Ehefrau zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt.
Die Berliner Richter sahen es für erwiesen an, dass der inhaftierte Gerd W. sich im Frühjahr 2007 auf ein Angebot eines Mitgefangenen in der Justizvollzugsanstalt Tegel eingelassen habe, seine Ehefrau zu töten. Der Grund für das geplante Verbrechen sei zum einen in der Persönlichkeitsstruktur des Gerd W. zu suchen, bei dem es sich um einen selbstunsicheren Menschen handele, der Konflikte scheue und sich nicht abgrenzen könne. Die Partnerschaft der Eheleute sei zum anderen über die Jahre nur noch von formalen Zusammengehörigkeitskriterien getragen gewesen; dennoch habe sich lange Zeit keiner der Partner bereit gefunden, die Ehe zu beenden.
Eine Scheidung sei erst im Sommer 2007, lange nach der Verurteilung des Gerd W. wegen eines sehr ähnlich gelagerten Sachverhalts erfolgt: Am 1. März 2006 verurteilte ihn das Landgericht Berlin wegen versuchter Anstiftung zum Mord zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Dem Urteil lag zugrunde, dass der angeklagte Gerd W. bereits in den Jahren 1996 bis 2004 versucht hatte, Menschen zur Tötung seiner Ehefrau zu gewinnen.

Nach Antritt seiner Freiheitsstrafe in der dortigen Sache habe er den hiesigen „Kronzeugen“ Sch. kennen gelernt, der eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen eines Tötungsdelikts zu verbüßen habe. Wenn es zwischen den Männern auch keine Freundschaft im engeren Sinne gegeben habe, so habe man sich doch in gewisser Weise vertraut, sei eine „Notgemeinschaft“ eingegangen, die von beiderseitigem Interesse geprägt gewesen sei. Die Berliner Richter seien überzeugt davon, dass es der Zeuge Sch. gewesen sei, der auf die Idee gekommen sei, sich die Situation zu nutze zu machen und von sich aus mit dem Angebot der Tötung der Ehefrau an Gerd W. herangetreten sei. Sch. habe dies wohl nie wirklich ernst gemeint, während in dem angeklagten Gerd W. noch immer die Verbitterung geherrscht habe, die auch zur ersten Tat geführt habe. Letzten Endes habe sich Sch. seinem Gruppenleiter in der Justizvollzugsanstalt Tegel offenbart, Gespräche seien abgehört worden. Nach Verlegung des angeklagten Ehemanns in eine andere Justizvollzugsanstalt sei ein nicht offen ermittelnder Polizeibeamter als vermeintlicher Auftragsmörder als Besucher erschienen. Ihm gegenüber habe der Ehemann zu erkennen gegeben, dass er ernsthaft daran festhalte, auf das Angebot des Zeugen Sch. einzugehen. Weil es sich bei Sch. um einen „äußerst dubiosen“ Zeugen handele, der sein „eigenes Süppchen koche“, habe man nur solche Angaben verwertet, die auch durch andere Beweismittel belegt seien.

In der Person des angeklagten Ehemanns seien zumindest zwei Mordmerkmale verwirklicht: So habe er aus niedrigen Beweggründen gehandelt und eine heimtückische Tat ins Auge gefasst. Es sei ein für die Ehefrau überraschender Autounfall geplant gewesen. Gegen Gerd W. habe vor allem die einschlägige Vorstrafe gesprochen sowie die Tatsache, dass es ihm nicht gelungen sei, sich tatsächlich mit der ersten Tat auseinanderzusetzen. Es sei ihm „nicht gelungen, den dunklen Kräften zu widerstehen“.
Quelle: Landgericht Berlin - PM 09/2009 vom 13.2.2009
Quelldatum: 13.02.2009
Quelllink: http://www.berlin.de/sen/justiz/gerichte/lg/

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