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07.06.2009
Mutter wegen Tötung ihrer Tochter zu lebenslanger Haft verurteilt
Das Landgericht Stuttgart verurteilte die 34jährige Frau, die im Dezember letzten Jahres ihre Tochter von einer Brücke in den Neckar geworfen hatte, wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.
Nach den Feststellungen der Stuttgarter Richter hatte die Angeklagte am 12. Dezember 2008 gegen 17 Uhr ihre vier Jahre alte Tochter von der Brücke der Inselstraße in Untertürkheim in den Neckar gestoßen. Das Kind ertrank innerhalb weniger Minuten. Ein Schleusenwärter hatte gegen 17.45 Uhr den Leichnam des Mädchens in der Neckarschleuse in Stuttgart-Untertürkheim entdeckt. Einige Stunden später stellte sich die Frau der Polizei, nachdem sie sich nicht entschließen konnte, sich nach der Tat selbst zu töten.

Zu Beginn der Hauptverhandlung hatte die Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Lange Jahre hätten sie und ihr Ehemann, der in dem Prozess als Nebenkläger auftrat, sich ein Kind gewünscht, doch die am 25. September 1998 geschlossene Ehe sei kinderlos geblieben, bis endlich am 17. Juli 2004 ihre Tochter zur Welt gekommen sei, berichtete die Angeklagte. Sie sei jedoch mit der Erziehung des in seiner Entwicklung etwas zurückgebliebenen Kindes überfordert gewesen, erklärte sie weiter. Vor der Geburt ihrer Tochter habe sie immer gearbeitet und habe sich nun in ihrer Mutterrolle unsicher und allein gelassen gefühlt. In ihrer Ehe sei sie unglücklich gewesen, was unter anderem zu einem Suizidversuch in der Vergangenheit geführt habe.

Entgegen der Ausführungen der Angeklagten gelangte das Landgericht zu dem Ergebnis, dass die Angeklagte durchaus in ein soziales Netz eingebunden war, das ihr Unterstützung und Rückhalt bei der Kindeserziehung bot. Sowohl die als Zeugen vernommenen Familienangehörigen als auch die Erzieherinnen, welche das getötete Mädchen im Kindergarten betreut hatten, bekundeten, dass das Umfeld der Angeklagten sehr bemüht um das Kind gewesen sei.

Letztlich stellte sich das Gericht die Frage, ob die Steuerungsfähigkeit der Angeklagten im Zeitpunkt der Tat aufgehoben oder vermindert war. Der psychiatrische Sachverständige führte aus, das Kind sei auf tragische Weise in einer Situation, in der sich die Mutter überfordert gefühlt habe, zu Tode gekommen. Jedoch habe er bei der Begutachtung der Angeklagten keine Feststellungen treffen können, die auf eine Einschränkung oder Aufhebung der Fähigkeit, das Unrecht der Tat einzusehen bzw. nach dieser Einsicht zu handeln, hätten schließen lassen. Die Richter schlossen sich nach eigener Überzeugungsbildung diesen Ausführungen an. Sie gehen zudem davon aus, dass die Angeklagte ihr Kind heimtückisch tötete, da es sich im Zeitpunkt der Tat keines Angriffs auf sein Leben bewusst und der Angeklagten wehrlos ausgeliefert war.
Aktenzeichen: 9 Ks 111 Js 112714/08
Quelle: Landgericht Stuttgart - PM vom 27.5.2009
Quelldatum: 27.05.2009
Quelllink: http://www.lgstuttgart.de

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