Familienrecht | Glossar Familienrecht | Erbrecht | Arbeitsrecht | Warum wir? | Kontakt | Impressum  
 
19.07.2009
Mann wegen Geiselnahme seiner Exfreundin zu langjähriger Haftstrafe verurteilt
Das Landgericht Stuttgart verurteilte einen 29jährigen Mann unter anderem wegen Geiselnahme, vorsätzlicher Körperverletzung und Hausfriedensbruchs zu der Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren. Er hatte seine Exfreundin gezwungen, sich in den Kofferraum ihres Pkw zu legen. Dann fuhr er mit ihr in ein Waldstück und drohte, sie mit Benzin zu übergießen und zu verbrennen.
Nach den Feststellungen der Stuttgarter Richter hatten sich der türkische Staatsangehörige und die 27 Jahre alte Frau im August 2007 auf der Weinlaube in Ludwigsburg kennengelernt. Aus der anfänglichen Freundschaft wurde eine intime Beziehung. Als der Vater der jungen Frau von der Verbindung, die sie zunächst vor ihm verheimlicht hatte, erfuhr, äußerte er starke Vorbehalte gegen den Mann. Letztlich trennte sich seine Tochter im November 2008 von ihrem Freund. Mit dem Ende der Beziehung konnte dieser sich nicht abfinden und begann, ihr nachzustellen, unangemeldet an ihrem Arbeitsplatz und bei ihr zu Hause in Kornwestheim aufzutauchen und ihr Liebesbotschaften zu hinterlassen. Als dies keinen Erfolg zeigte, wurden seine Annährungen immer bedrohlicher. Er ließ sich einen Schlüssel für die Wohnung der Frau nachmachen, drang dort unbemerkt ein und trat dann überraschend aus seinem Versteck hinter einem Schrank im Schlafzimmer. Letztlich setzte er der Geschädigten ein Ultimatum, bis zu welchem Zeitpunkt sie zu ihm zurückkehren müsse, ansonsten werde sie und auch ihr Vater das Jahr 2009 nicht mehr erleben.
Schließlich begab sich der Angeklagte am 29. Dezember 2008 gegen 17.15 Uhr an die Wohnanschrift seiner Exfreundin in Kornwestheim und wartete vor der Wohnungstür, bis sie ihre Wohnung verließ. Dann packte er sie, drückte sie in die Wohnung und auf das dortige Sofa, drohte ihr mit dem Tod und knebelte sie, indem er ihr Paketband um den Kopf wickelte. Er zwang sie, mit ihm die Wohnung zu verlassen und in ihren Pkw zu steigen, während er sich auf den Fahrersitz setzte und losfuhr. Dann hielt er an, fesselte ihre Hände und Füße und zwang sie, sich in den Kofferraum zu legen. Zudem drohte er, sie mit einem Kanister Benzin, den er während der Fahrt an einer Tankstelle in Waiblingen-Hegnach gekauft hatte, zu übergießen und sie zu verbrennen. Der Frau gelang es auf der Fahrt unter Todesangst, sich die Hände zu entfesseln, so dass sie auf der weiteren Fahrt in ein Waldstück (Gewann Hardt) mit ihrem Handy einen Notruf absetzen konnte. Der Angeklagte bemerkte dies, als er sie gegen 19.40 Uhr aus dem Kofferraum holte und schlug sie. Kurz darauf konnte die Polizei die Frau befreien.

Der Angeklagte räumte in der Hauptverhandlung die Taten ein. „Ich habe einen Fehler gemacht, der mir leid tut“, so der 29-Jährige. Er beteuerte, mit der Beziehung zu seiner Exfreundin abgeschlossen zu haben und einen Neuanfang machen zu wollen.
In ihrer Zeugenvernehmung schilderte das Tatopfer detailliert das Erlebte. „Jeden Tag, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, durchsuche ich die Wohnung, ob er nicht doch da ist“, so die Zeugin über den Angeklagten, der sich seit der Tat in Untersuchungshaft befindet. Sie müsse nun überlegen, ob sie ein völlig neues Leben an einem unbekannten Ort beginnen werde, da sie Angst habe, der Angeklagte bringe sie um, sobald er aus der Haft entlassen werde, führte die Zeugin weiter aus. Mit dem Urteil entsprach das Landgericht Stuttgart dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Nebenklagevertreterin.
Aktenzeichen: 16 KLs 112 Js 116805/08
Quelle: Landgericht Stuttgart - PM vom 16.7.2009
Quelldatum: 16.07.2009
Quelllink: http://www.lgstuttgart.de

zurück