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21.08.2011
Adoption eines nach anonymer Samenspende entstandenen Kindes durch die Lebenspartnerin
Das Amtsgericht Elmshorn hat mit unanfechtbarem Beschluss entschieden, dass kein Adoptionspflegejahr abzuwarten ist, wenn ein als Wunschkind beider Lebenspartnerinnen durch Insemination (künstliche Befruchtung) mit dem Samen eines anonymen Spenders entstandenes Kind durch die Lebenspartnerin der Mutter angenommen wird.
Ein lesbisches Paar, das im Jahr 2007 eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen war, hatte den gemeinsamen Wunsch, ein Kind zu bekommen. Im Jahr 2009 wurde eine der Frauen aufgrund dieses Wunsches beider Lebenspartnerinnen in einer dänischen Klinik mit dem Samen eines anonymen Spenders befruchtet und bekam im Jahr 2010 ein Kind. Die andere Lebenspartnerin stellte daraufhin einen Antrag auf Adoption dieses Kindes beim Amtsgericht Elmshorn. Wenn es dem Kindeswohl entspricht, kann auch bei einer eingetragenen Lebenspartnerschaft ein Lebenspartner das Kind seines Lebenspartners annehmen mit der Folge, dass das Kind den Status eines gemeinsamen Kindes der beiden Lebenspartner erhält und die Verwandtschaftsverhältnisse zu einem anderen Elternteil erlöschen. Das Gesetz sieht bei Adoptionen vor, dass eine Probezeit, ein sogenanntes Adoptionspflegejahr, eingehalten werden soll. Sinn und Zweck des Adoptionspflegejahrs ist, die Prognose zum Kindeswohl und zum Entstehen einer wirklichen Eltern-Kind-Beziehung zu erleichtern. Beide Lebenspartnerinnen baten darum, das Adoptionspflegejahr nicht einzuhalten.

Das Amtsgericht Elmshorn hat dem Wunsch der Lebenspartnerinnen nach einer zeitnahen Annahme entsprochen. Es hat zunächst festgestellt, dass die Adoption dem Kindeswohl entspreche. Eine Mutter-Kind-Beziehung zwischen der Annehmenden und dem Kind bestehe, da das Kind ein Wunschkind beider Partnerinnen sei, aufgrund eines gemeinsamen Entschlusses der Partnerinnen entstanden sei und von beiden Partnerinnen gleichermaßen geliebt und umsorgt werde. Es sei nicht zu erwarten, dass sich an dieser Eltern-Kind-Beziehung etwas ändern könnte.
Zudem seien ehelich geborene, unehelich geborene und in einer Lebenspartnerschaft geborene Kinder gleich zu behandeln. Es gebe keinen hinreichenden sachlichen Grund, dem durch künstliche Befruchtung mit dem Samen eines anonymen Spenders entstandenen und in einer Lebenspartnerschaft geborenen Kind anders als ehelich geborene oder unehelich geborene Kinder zu behandeln, die von Geburt an die Möglichkeit haben, mit zwei Elternteilen aufzuwachsen. Denn die rechtliche Verbindung, die das Kind durch die Adoption zum annehmenden Elternteil erhält, könne sehr relevant werden. Sie könne etwa beim Tod eines der Elternteile bedeutende erb- und sorgerechtliche Folgen haben.
Aktenzeichen: 46 F 9/10
Quelle: Landgericht Itzehoe - PM vom 24.01.2011
Quelldatum: 20.12.2010
Quelllink: http://www.schleswig-holstein.de/LGITZEHOE/

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