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13.11.2011
Mutter des Kindes Lara-Mia wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen verurteilt - Landgericht Hamburg verhängt dreijährige Jugendstrafe
Das Landgericht Hamburg hat im neu aufgerollten Prozess gegen Jessica R., die Mutter des im März 2009 verstorbenen Kindes Lara-Mia R., die Angeklagte wegen versuchten Totschlags, Verletzung der Fürsorgepflicht und gefährlicher Körperverletzung, jeweils durch Unterlassen, zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt.
Die Beweisaufnahme, in deren Verlauf die Hamburger Richter 31 Zeugen und fünf Sachverständige gehört hat, hat ergeben, dass die angeklagte Mutter ihre am 16.05.2008 geborene Tochter über mehrere Monate vollkommen unzureichend ernährt hat. Hierdurch geriet das Kind in einen lebensbedrohlichen Zustand. Auch in dem neuen Prozess konnte jedoch die Todesursache trotz Anhörung eines rechtsmedizinischen sowie eines kinderärztlichen Sachverständigen nicht eindeutig geklärt werden. Neben dem Hungertod kommt auch der plötzliche Kindstod in Betracht. Da der Angeklagten deshalb der Tod des Kindes nicht mit der notwendigen Sicherheit zugerechnet werden kann, lautet die Verurteilung nicht auf vollendeten, sondern versuchten Totschlag durch Unterlassen.

Für die Annahme des Tötungsvorsatzes ist nach Auffassung des Landgerichts entscheidend, dass die Angeklagte ihre Tochter keinem Arzt vorstellte, obwohl sie spätestens zwei Wochen vor Lara Mias Tod erkannt hatte, dass diese sich aufgrund der massiven Unterernährung in einem lebensbedrohlichen Zustand befand. Damit habe die Angeklagte im Rechtssinne den Tod des Kindes billigend in Kauf genommen. Die Anhörung des psychiatrischen Sachverständigen habe ergeben, dass die Angeklagte sich im Tatzeitraum situativ schwankend in einem Zustand psychischer Kraftlosigkeit befunden habe, der sie jedoch nicht in ihrer Schuldfähigkeit eingeschränkt habe. Tragischerweise habe auch das an sich vorhandene soziale Netz aus jugendamtlich veranlasster Familienhilfe sowie den Verwandten der Angeklagten, insbesondere ihrer Mutter, versagt.

Abweichend von dem ersten landgerichtlichen Urteil haben die Hamburger Richter in dem Umstand, dass die angeklagte Mutter am 19. März 2009 Rettungskräfte herbeigerufen hat, keinen strafbefreienden Rücktritt vom Tötungsversuch gesehen. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass die Angeklagte bereits vor dem Notruf bei der Feuerwehr erkannt hatte, dass das Baby bereits tot war. Ein strafbefreiender Rücktritt sei aus Rechtsgründen nur möglich, wenn der Täter davon ausgehe, die eingetretene Gefahr noch umkehren zu können.

Hinsichtlich der Dauer der Jugendstrafe hat sich das Landgericht am Erziehungsbedarf der angeklagten Mutter insbesondere in den Bereichen der Lebensplanung und Tataufarbeitung orientiert. Im Jugendstrafrecht sind bei der Strafzumessung nicht in erster Linie Aspekte der Sühne und des Schuldausgleichs zu berücksichtigen. Primär kommt es auf die konkrete Erziehungsbedürftigkeit der Angeklagten an.
Quelle: Landgericht Hamburg - PM vom 10.11.2011
Quelldatum: 10.11.2011
Quelllink: http://justiz.hamburg.de/

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